Хансен Оскар

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Оскар Хансен (1922-2005) — польский архитектор, художник, дизайнер, скульптор, педагог.

Разработал теорию Открытой формы, применяемую как инструмент проектирования и градостроительства. Суть Открытой формы в непрерывной связи искусства, общества и инженерии.

 

 

 

 

 

OSKAR HANSEN

OFFENE FORM

AUSSTELLUNG VOM 11. JULI 2014 BIS ZUM 6. JANUAR 2015
Oskar Hansen, 1986. Foto: Erazm Ciolek. © FOTONOVA / East News Poland

Die dem Werk des polnischen Architekten, Stadteplaners, Theo-retikers und Padagogen Oskar Hansen (1922-2005) gewidmete Ausstellung folgt der Entwicklung seiner Theorie der offenen Form von ihren Anfangen in seinen eigenen architektonischen Projek-ten bis hin zu ihrer Anwendung in den Bereichen des Films, der Multiscreen-Projektion von Diapositiven, der visuellen Spiele und der performativen Praktiken anderer Kiinstler.

Hansen war Mitglied der Architektengruppe Team io, der ersten kriti-schen Stimme gegen die moderne Orthodoxie der Charta von Athen und die Anhanger von Le Corbusier. Er stelite seine Theorie der offenen Form 19 J9 auf dem Internationalen Kongress moderner Architektur (CLAM) in Otterlo vor und entwickelte sie dann in Projekten unterschiedlicher Tragweite weiter: vom Ausstellungsdesign bis hin zum linear-kontinuier-lichen System, einem — gleichzeitig mit dem New Babylon von Constant oder den Megastrukturen von Yona Friedman entwickelten — Konzept fur eine netzartig strukturierte, dezentrahsierte Stadt, die sich tiber ganz Po-len und den europaischen Kontinent erstrecken sollte.Auch wenn aber die territorialen Ambitionen der offenen Form den Eindruck erwecken konnten, es handele sich um ein gesamtplanerisches Modell, bestand ihr Hauptinteresse darin, Strategien der Unbestimmtheit, Flexibilitat und kollektiven Partizipation zu entwickeln.

Bei Hansen beschrankt sich die Rolle des Architekten in der Konfigurati-on des Raumes auf die Schaffimg eines „perzeptiven Hintergrunds». Die Architektur muss die Vielfalt der im Raum koexistierenden Ereignisse und Individuen deutlich werden lassen. Indem er sich auf den Prozess, die Subjektivitat und die Schaffung von Rahmen fur den individuellen Ausdruck konzentriert, verwandelt Hansen die Architektur in ein Werk-zeug, das die Benutzer gebrauchen imd umwandeln konnen, das sich einfach an ihre wechselnden Bedtirfnisse anpassen lasst. Wahrend seiner Tatigkeit als Professor an der Akademie der Schonen Kiinste in Warschau iibermittelte er die Theorie der offenen Form an diverse Generationen von Studierenden und hielt sie dazu an, iiber die Grenzen der traditionel-len Disziplinen hinausgehende kiinsderische Praktiken zu entwickeln.

Die Ausstellung im MACBA erklart die Idee der offenen Form anhand der wichtigsten Bereiche, in denen Hansen sie in die Praxis umsetzte, und zeigt dabei ihre zahlreichen Schichten: „Kunst und Didaktik», ,,Veranstaltungsarchitektur»,„Das Haus als offene Form», „Skalenpo-litik», „Gegendenkmal» und „Die Tradition der offenen Form». Die Architektur der Ausstellung selbst, die -auf verschiedene von Hansen fur diesen Zweck entwickelte Konzepte Bezug nimmt, ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Veranstaltung („Der Architekt als Ausstel-

lungskurator»). Die verschiedenen Abschnitte der Ausstellung sind in einer Reihe von Bereichen angeordnet, die — weit davon entfernt, dem Besucher eine geschlossene Erfahrung oder Lesart aufzudrangen — frei miteinander verbunden werden konnen.

DER ARCHITEKT ALS AUSSTELLUNGSKURATOR

Eine zentrale Idee hinter Hansens praktischer Arbeit ist es, die Prin-zipien der offenen Form in der Praxis aufzuzeigen, ohne den Raum zu diesem Zweck in Worter iibersetzen zu miissen. Aus diesem Grund sind fiiir die Ausstellung zwei der von Hansen als Kurator personlich entwickelten Ausstellungsstrukturen rekonstruiert worden, die uns einen Einblick in seine Auffassung von Raum verschaffen. Die erste bildet eine Presentation von 19 57 in der Galerie Po Prostu nach, wo eine Kette, die sich durch die ganze Galerie zog, Gemalde, Skulpturen und Besucher miteinander verband; bei der zweiten handelt es sich eine Installation, die 2003 in der Galerie DAP bei einer von Hansens letzten Ausstellungen zu sehen war und in der es eine Struktur in Form einer abstrakten Schleife erlaubte, die durch die Galerie wandelnden Besucher zu sehen. Diese beiden Arbeiten bilden zusammen mit einer Serie von Bildern, auf die sich Hansen bei der Erklarung seiner Theorie der offenen Form stiitzte, den Auftakt der Ausstellung.

Das Arrangement nimmt auf einen weiteren der Aspekte Bezug, die die berufliche Laufbahn Hansens und anderer moderner polnischer Architekten pragten, die unter dem sozialistischen Regime arbeiteten: die Disziplin der Ausstellungsgestaltung, deren Zweck es war, im Aus-land ein modernes Bild der Volksrepublik Polen zu verbreiten, und in der die Kiinstler iiber umfangreiche Freiheit beim Experimentieren mit verschiedenen Ausdrucksmitteln verfugten. Dieses Experimentieren ist — wie bei der „Veranstaltungsarchitektur» oder der „Skalenpohtik» festzustellen — ein gemeinsames Merkmal aller Stufen, auf denen Hansen seine Designs entwickelt.

KUNST UND DIDAKTIK

Die von Hansen wahrend seiner langen Lehrtatigkeit an der Akademie der Schonen Kiinste in Warschau (1952-1981) entwickelten didaktischen Werkzeuge halfen den Studierenden bei der Erforschung der Komposition und der Wahrnehmung der visuellen Phanomene, einschliefilich des Ausstellungsraums selbst, anhand der Prinzipien der offenen Form, die Hansen mit Hilfe des von ihm im Unterricht einge-setzten Diagramms erlauterte. Dank der Archivfotografien und -filme (darunter auch ein erst kurzlich digitalisierter Teil des Films Open Form: Hansen’s Studio, 1971, von KwieKulik) konnen wir sehen, wie diese didaktischen Werkzeuge in Hansens Atelier eingesetzt wurden und wie man mit ihnen im Ausstellungsraum experimentieren kann.

In diesem Abschnitt der Ausstellung ist deutlich die Verlagerung des Konzepts der offenen Form vom Bereich der Architektur in den Bereich der visuellen Ktinste und der performativen kiinstlerischen Praxis (etwa im Film Game on Morel’s Hill, 1971) zu erkennen: ein Beispiel fur die Anwendbarkeit von Hansens Theorie und Praxis nicht nur auf verschiedene Stufen der Architektur, sondern auch auf verschiedene andere Bereiche der kulturellen Produktion.

VERANSTALTUNGSARCHITEKTUR

Hansens Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Kybcrnetik, der Beziehung zwischen Architektur und Kommunikationsmitteln und der mobilen Architektur ist in der Ausstellung durch das Experimentelle Studio des polnischen Radios (1962) vertreten, dessen Raum und Farbschema auf die Klange der elektronischen Musik abgestimmt sind, die dort entstand. Hinzu kommen Entwiirfe fur mobile Architektur — zum Beispiel Skizzen fur den Pavilion fur die Internationale Messe Izmir (1955), das Studio-Theater in Warschau (1972) und das Museum fur moderne Kunst in Skopje (1966) -, die biologischen Strukturen in unendlicher Expansion ahneln.

Hansen teilte das Interesse fur die Kommunikationsmittel mit seinen Studierenden, wie aus deren Berichten von Anfang der i97oer Jahre iiber die Zusammenarbeit mit dem Fernsehen hervorgeht (z. B. Activities in TV Studio von KwieKulik oder Video A von Pawel Kwiek). In ihren Experimenten mit der offenen Form bemtihten sich Hansen und diese Ktinstler darum, ihre Arbeit zu polyvalenten „Ubungen» zu machen; anwendbar in den Bereichen der Rechte oder der Kollektivitat oder sogar auf physische Anstrengungen oder mathematische Funkti-onen. So charakterisiert sich die offene Form als eine Art ewige (Um-) Schulung oder asthetische Calisthenics, eine Reihe von Handlungen und Ubungen in konstanter Entwicklung.

DAS HAUS ALS OFFENE FORM

Die privaten Raume — eine’ Wohnung in der Sgdziowska-StraBe in Warschau (1950-1955) und ein Haus in Szumin (1968), beide von Hansen und seiner Frau Zofia gemeinsam gestaltet — dokumentieren zwei grundlegen-de Aspekte von Hansens Praxis. Die Wohnung in der S qdziowska-S trafie illustriert perfekt sein Konzept des А к ti v- N ega ti ven, einer plastischen Darstellungsweise der emotionalen Rezeption des architektonischen Rainns. Hansens Interesse an der Wahrnehmung des Raums spiegelt sich im Haus in Szumin, am Ufer des Bug, wieder; einem klaren Beispiel fur die Durchlassigkeit des Raumes und seine Integration in die unmit-telbare Umgebung. Dieser letzte Aspekt wird vor allem in den Filmen offenkundig, in denen ephemere Ausstellungen seiner Gemalde auf dem Eis des zugefrorenen Flusses dokumentiert sind. Erwahnt werden muss auch die Tatsache, dass Hansen dieses Haus als Bildungswerkzeug, als padagogisches Instrument im groEen MaKstab, nutzte.

SKALENPOLITIK

Das linear-kontinuierhche System, eine Weiterfuhrung der Idee der offenen Form im grofien MaKstab, propagierte die Ersetzung der wichtigs-ten urbanen Zentren durch lineare Entwicklungsgiirtel, die sich iiber ganz Polen erstrecken und dabei den wichtigsten Fltissen des Landes folgen sollten. In der Ausstellung sind neben den Zeichnungen, mit denen Hansen diese Theorie illustrierte, auch Karten und ein Modell des Westlichen Giirtels (1976) zu sehen. Das linear-kontinuierhche System ist ein Modell der Staatskonfiguration, das Hansen mit internationaler Ausrichtung entwickelte, wie sein Beitrag zum PREVI in Lima belegt.

Dieser Abschnitt der Ausstellung illustriert auch die Beziehung Hansens zur Architektengruppe Team 10, und zwar sowohl die direkte (seine in der Zeitschrift der Gruppe Le Carre Bleu veroffentlichten Artikel stehen dem Publikum im Leseraum zur Verfiiigung) als auch die konzeptuelle (in Form seines Interesses an der Partizipation, der Okologie und der Humanisierung von Stadten und Fabriken). Zu sehen sind dariiber hinaus auch Beispiele fur seine Uberpriifung der

stadtebaulichen Grundsatze der Moderne, etwa mittels der Interviews mit Bewohnern des Wohnkomplexes Juliusz Slowacki in Lublin. Die Ausstellung zeigt, wie diese Ideen ausgehend von einer spezifisch architektonischen Kultur und der politischen und wirtschafthchen Realitat des soziahstischen Staates entwickelt wurden.

GEGENDENKMAL

Dieser Abschnitt nimmt eine der bedeutendsten offentlichen Debatten iiber die Architektur der offenen Form und ihre Grundsatze wieder auf. 1957 gewannen Hansen und eine Gruppe von Architekten den Wettbewerb fur das Auschwitz-Birkenau-Denkmal. Ihr Entwurf sah den Bau einer Strafie aus schwarzen Asphalt vor, die sich diagonal durch die Ruinen des Konzentrationslagers ziehen sollte, um es als etwas abzu-stempeln, das nie hatte geschehen dixrfen, und zugleich einen Raum fur Besucher zu schaffen, der es erlauben wiirde, den andauernden entro-pischen Prozess wahrzunehmen. Dieser Denkmalsentwurf stellt einen hervorragenden Bezugspunkt fur die Erlauterung der offenen Form dar.

DIE TRADITION DER OFFENEN FORM

Die offene Form hatte einen deudichen Einfluss auf die polnische zeitgenossische Kunst, indem sie eine Veranderung in der Beziehung zwischen Kiinstler und Betrachter postulierte und die Kunst fiir die Partizipation und die Bewertung ihrer prozessualen Dimension offnete. In den i96oer Jahren betrachteten Hansens Schtiler die offene Form als Grundlage fur eine kollektive, kommunikationsorientierte Produktion. In einem als,Arbeit mit der Kamera» beschriebenen Prozess nahmen die Kunstler unbestimmte Aktionen und ephemere Performances auf, die mit dem Sichtfeld der Kamera koordiniert waren. Wahrend Hansen einen Weg zur Einmischung und Beteihgung mittels der„Energie der Initiative des Kunden» aufzeigte, interpretierte diese Kiinstlergruppe Zusammenarbeit also als eine Reihe von „Provokationen» und „Antworten», mit denen sie nicht nur die Urheberschaft, sondern auch der Status des konkreten Werks in Frage stellte.

Die Gruppe priorisierte die Entwicklung von „Aktivitaten», „Strukturen» oder „Spielen» als Quellen der kollektiven Aktion. Der Nachdruck auf die Unvorhersagbarkeit der Entfaltung dieser Prozesse in formalen, sozialen und zeitlichen Dimensionen ging einher mit einem Augen-merk auf die objektive Dokumentation. Auch wenn die Mathematik, die Kybernetik und die Kommunikationstheorie ihre Bezugsdisziplinen waren, begriffen die Kunstler ihre Arbeit als eine radikale soziale Praxis, in der sie mit nicht-autoritaren Systemen experimentierten und die eine Moglichkeit zur Beeinflussung der Politik und der Propaganda ihrer Zeit bot. In diesem Sinne sind in den Werken von Grzegorz Kowalski, Artur Zmijewski, Pawel Althamer, KwieKulik, Pawel Kwiek, Wiktor Gutt, Waldemar Raniszewski und anderen verschiedene Annaherungen an die Theorie der offenen Form zu finden.

Аннотация из Музея MACBA (Барселона)

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